Zugriff auf die 2. Säule: Die Kehrseite der Abschaffung des Eigenmietwerts
Nach Jahren intensiver parlamentarischer Debatten und zahlreicher Wendungen unter der Bundeskuppel ist der Kurswechsel nun beschlossene Sache: Das System des Eigenmietwerts steht vor dem Aus. Während diese Reform vom Wunsch nach Vereinfachung und mehr Gerechtigkeit für schuldenfreie Immobilieneigentümer getragen wurde, verbirgt der Übergang von der Abstimmungsurne zur steuerlichen Realität eine weitgehend verkannte Kehrseite.
Für viele klingt dieser Entscheid wie ein Sieg gegen eine als ungerecht empfundenen Steuer auf ein fiktives Einkommen. Doch hinter dem Versprechen einer tieferen Steuerrechnung zeichnet sich eine beispiellose Lastenverschiebung ab, die das Fundament unserer privaten Vorsorge schwächen könnte. Durch die Änderung der Abzugsregeln hat die Abstimmung eine Bresche geschlagen: Es entsteht ein riskantes Abwägen zwischen der Solidität des eigenen Dachs über dem Kopf und jener der Altersvorsorge. Erfahren Sie hier, wie sich das, was nach einer administrativen Vereinfachung aussah, in einen regelrechten Zugriff auf Ihre 2. Säule verwandeln könnte.
Die Schockwelle: Ein steuerliches Beben im Schweizer Immobilienmarkt
Das geplante Ende des Eigenmietwerts ist mehr als nur eine administrative Vereinfachung; es ist ein systemischer Umbruch. Jahrzehntelang hat das Schweizer System die Verschuldung gefördert: Um nicht zu hohe Steuern auf dieses „fiktive Einkommen“ zu zahlen, hielten Eigentümer ihre Hypothekarschuld hoch, um die Zinsen abziehen zu können. Dieses Gleichgewicht steht kurz vor dem Einsturz. Mit dem Wegfall des Schuldzinsenabzugs ändert sich die Kalkulation: Schulden werden zu einer Netto-Belastung. Der Wettlauf um die Entschuldung ist lanciert – und er droht zulasten unserer Altersvorsorge zu gehen.
Der Umbruch: Von der Verpfändung zur wilden Amortisation
Historisch betrachtet basierte die Gewinnstrategie auf der Verpfändung. Anstatt die 2. Säule für den Hauskauf vorzubeziehen, liess man das Kapital bei der Pensionskasse verzinsen und verpfändete es gleichzeitig bei der Bank. Man blieb verschuldet, profitierte vom Steuerabzug und hielt die Rentenleistungen intakt. Mit der Reform kehrt sich diese Logik um. Da der steuerliche Anreiz verschwindet, wird es zur Priorität, eine möglichst geringe Schuldenlast zu tragen.
Doch für ein Einfamilienhaus im Wert von CHF 1’500’000 sind CHF 300’000 an Eigenkapital erforderlich, zuzüglich rund CHF 75’000 an Kaufnebenkosten in der Westschweiz. Angesichts solcher Beträge wird der Ruf nach Cash immer lauter. Die Versuchung, BVG-Guthaben zu beziehen, um das Darlehen zu reduzieren und die monatlichen Lasten zu senken, wird für den Mittelstand fast unwiderstehlich. Hier beginnt der Dominoeffekt.
Der Dominoeffekt: Eine amputierte Rente
Nehmen wir das Beispiel eines künftigen Eigentümers, der CHF 150’000 aus seiner 2. Säule entnimmt, um den Erwerb zu finanzieren oder seine Schulden infolge der Reform zu amortisieren. Die Einbusse bei der Rente ist unmittelbar. Bei einem Standard-Umwandlungssatz von 6.8 % (oder weniger je nach Kasse) bedeutet dieser Bezug eine Reduktion der jährlichen Rente um ca. CHF 10’200. Das entspricht einer lebenslangen Kürzung von CHF 850 pro Monat.
Zudem verschliesst man sich durch den Kapitalbezug die Tür für freiwillige steuerbegünstigte Einkäufe, bis der bezogene Betrag zurückgezahlt ist. Damit beraubt man sich des letzten grossen Steueroptimierungshebels, der Privatpersonen in der Schweiz zur Verfügung steht.
Langlebigkeitsrisiko: Die gefährliche Wette auf den Backstein
Die wahre Gefahr liegt im realen Nettoeinkommen im Ruhestand. Zwar hat der Rentner durch die Amortisation seiner Schuld mit Geldern der 2. Säule keine Hypothekarzinsen mehr zu zahlen, doch er ist am Ende „reich an Steinen, aber arm an Cash“. Ein Haus kann man nicht essen. Wenn die Rente aufgrund des anfänglichen Vorbezugs zu niedrig ausfällt, könnte der Eigentümer Schwierigkeiten haben, die Unterhaltskosten, die Heizung oder die verbleibenden Liegenschaftssteuern zu begleichen. Angesichts der steigenden Lebenserwartung stellt eine gekürzte Rente ein erhebliches Risiko für Altersarmut dar. Das Kapital ist in den Wänden gebunden, während die Gesundheitskosten stetig steigen.
Diese Reform droht eine Schweiz der zwei Geschwindigkeiten zu schaffen: Auf der einen Seite die sehr hohen Einkommen, die über genügend Liquidität ausserhalb der BVG verfügen, um ihre Vorsorge unangetastet zu lassen. Auf der anderen Seite ein Mittelstand, der gezwungen sein wird, die eigene Rente zu plündern, um ohne Steuerabzug Wohneigentum zu erwerben. Immobilien könnten so nicht mehr ein vom Staat unterstütztes Instrument zum Vermögensaufbau sein, sondern ein Staubsauger für die Altersvorsorge.
Licht am Ende des Tunnels: Strategie und Antizipation
Obwohl diese Feststellung alarmierend ist, sollte sie Ihre Projekte nicht bremsen. Im Gegenteil: Das Ende des Eigenmietwerts ist eine Aufforderung, von einer passiven zu einer aktiven Vermögensverwaltung überzugehen. Vergessen wir das Wesentliche nicht: Immobilien bleiben eine der sichersten Anlagen in der Schweiz. Die langfristige Wertsteigerung kompensiert die steuerlichen Anpassungen bei weitem. In das eigene Haus zu investieren bedeutet, sein Geld in einen Sachwert anzulegen, der vor Inflation schützt.
Der Vorbezug der 2. Säule ist kein Schicksal. Bei sich stabilisierenden Hypothekarzinsen ist es oft sinnvoller, das Vorsorgekapital zu behalten, da es eine garantierte Rendite und Risikoleistungen bietet, und die Immobilie über Fremdkapital zu finanzieren. Wenn Ihre Pensionskasse mehr erwirtschaftet als die Nettokosten Ihrer Hypothek, arbeitet Ihr Geld dort besser, wo es ist.
Warum Expertise zu Ihrem grössten Vorteil wird
In diesem neuen Paradigma hat Amateurismus keinen Platz mehr. Hier verändert eine Struktur wie Resolve die Spielregeln. In einem anspruchsvollen Markt wie heute sind die Zinsunterschiede zwischen den Banken gewaltig: Im Durchschnitt beobachten wir eine Differenz von 0.72 % bei 10-jährigen Festhypotheken. Bei einer Hypothek von einer Million entspricht dies einer Ersparnis von CHF 72’000 über 10 Jahre – also mehreren Jahren Urlaub oder einem Neuwagen.
Resolve findet nicht einfach nur einen Zinssatz. Es geht darum, die präzisen Auswirkungen des Wegfalls des Eigenmietwerts auf Ihre Situation zu simulieren. Soll man amortisieren, verpfänden oder vorbeziehen? Die Antwort ist für jeden Haushalt individuell. Indem Sie Ihre Hypothekarstrategie mit Ihrer Vorsorge in Einklang bringen, verwandeln Sie einen steuerlichen Zwang in einen Wachstumshebel.
Fazit: Eigentümer mit Gelassenheit
Der Zugriff auf die Vorsorgegelder wird für diejenigen nicht stattfinden, die vorausschauend planen. Wohneigentümer zu werden, bleibt eines der schönsten Lebensprojekte und ein Pfeiler finanzieller Freiheit. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Planung. Durch einen neutralen Vergleich der Angebote und die heutige Simulation der Zeit nach dem Eigenmietwert stellen Sie sicher, dass Sie nicht nur die Schlüssel zu Ihrem Eigenheim besitzen, sondern auch eine komfortable Rente geniessen. Der Markt wandelt sich, die Regeln ändern sich, aber mit der richtigen Begleitung bleiben Sie Herr der Lage.
