Baurecht: Finanzielle Chance oder langfristiger Kompromiss?

Omara & Jonas

Baurecht polarisiert. Für die einen ist es ein pragmatischer Weg ins Eigenheim in einem Markt mit hohen Preisen. Für die anderen bleibt es eine Lösung mit strukturellen Nachteilen – insbesondere mit Blick auf die langfristige Vermögensbildung.

In der neuen Episode des Resolve Podcasts diskutieren Jonas Eckl, Regionaldirektor Deutschschweiz & Ticino, und Omara Schaub, Direktorin Zürich, differenziert über genau diese Spannungsfelder.

Der Ausgangspunkt ist bewusst persönlich: Jonas hat kürzlich selbst eine Wohnung im Baurecht erworben – ein Objekt, das ohne diese Struktur finanziell kaum realisierbar gewesen wäre. Genau hier setzt die zentrale Frage der Episode an:
Ist Baurecht ein sinnvoller Marktzugang – oder ein langfristiger Kompromiss beim Eigentum?

Was bedeutet Baurecht konkret?

Vereinfacht gesagt trennt das Baurecht Boden und Gebäude:

  • Das Gebäude (Wohnung oder Haus) wird gekauft und gehört als eigenständiges Objekt dem Eigentümer.
  • Der Boden bleibt im Besitz des Baurechtsgebers (häufig Gemeinden oder institutionelle Eigentümer).
  • Für die Nutzung des Bodens wird ein regelmässiger Baurechtszins bezahlt.
  • Die Laufzeit beträgt oft bis zu 100 Jahre.

Am Ende der Laufzeit kommt es zum sogenannten Heimfall: Das Gebäude fällt rechtlich an den Grundeigentümer zurück. Im Gegenzug erhält der bisherige Eigentümer des Gebäudes in der Regel eine vertraglich vereinbarte Heimfallentschädigung. Alternativ können sich beide Parteien natürlich auch auf eine Verlängerung des Baurechts einigen.

Die Struktur ist juristisch klar geregelt – die wirtschaftliche Beurteilung hingegen erfordert eine differenzierte Betrachtung.

Marktzugang in einem anspruchsvollen Umfeld

Gerade in Städten wie Zürich, Genf oder Basel sind die Preise für selbstgenutztes Wohneigentum für viele Haushalte kaum mehr tragbar. Die Eigentumsquote in urbanen Zentren ist entsprechend tief.

Hier kann Baurecht einen entscheidenden Unterschied machen:

  • Der Kaufpreis liegt tiefer, da der Boden nicht mitfinanziert wird.
  • Der Eigenkapitalbedarf reduziert sich.
  • Der Zugang zu Wohneigentum wird realistischer.

Aus dieser Perspektive ist Baurecht weniger ein Renditemodell als vielmehr ein Instrument zur Ermöglichung von Eigentum.

Wirtschaftliche Perspektive: Rechnet sich das langfristig?

Die kritische Sichtweise setzt beim Vermögensaufbau an. Wer Boden und Gebäude besitzt, partizipiert vollständig an der Wertentwicklung. Im Baurecht hingegen:

  • Wird ein Baurechtszins bezahlt, der die laufenden Kosten erhöht.
  • Besteht eine begrenzte Laufzeit mit Heimfallregelung.
  • Kann die Wertentwicklung strukturell anders verlaufen als bei Volleigentum.

Hinzu kommen finanzierungstechnische Besonderheiten. Nicht jede Bank finanziert Baurechtsobjekte gleich. Teilweise sind die Belehnungskriterien restriktiver oder die Kreditgeberlandschaft eingeschränkter. Das kann Auswirkungen auf Konditionen und Flexibilität haben.

Entscheidend ist daher eine saubere Analyse:

  • Detaillierte Prüfung der Vertragsbedingungen und Dienstbarkeiten
  • Höhe und Anpassungsmechanismus des Baurechtszinses
  • Restlaufzeit des Vertrags
  • Heimfallregelung und Entschädigungsmechanismus
  • Vergleich mit alternativen Investitionsmöglichkeiten (Opportunitätskosten)

Eine pauschale Bewertung greift zu kurz – sowohl in positiver als auch in negativer Richtung.

Emotionale Dimension des Eigentums

Ein zentrales Element der Diskussion ist die emotionale Komponente. Für viele Menschen bedeutet Eigentum:

  • Unabhängigkeit
  • Sicherheit
  • Langfristige Perspektive für die Familie

Baurecht relativiert insbesondere den Aspekt des Bodeneigentums. Gleichzeitig stellt sich die Frage:
Ist es wirtschaftlich sinnvoller, ganz auf Eigentum zu verzichten – oder ein tragbares Objekt im Baurecht zu erwerben?

Die Episode macht deutlich, dass die Antwort stark von der individuellen Situation abhängt: Alter, familiäre Planung, Nachlassüberlegungen und persönliche Prioritäten spielen eine entscheidende Rolle.

Fazit: Kein Standardfall, sondern eine individuelle Entscheidung

Baurecht ist weder per se attraktiv noch grundsätzlich nachteilig. Es handelt sich um eine spezialisierte Eigentumsform mit klaren Vor- und Nachteilen.

Gerade weil Baurechtsfälle selten sind und viele Finanzinstitute nur begrenzte Erfahrung damit haben, ist eine fundierte Beratung zentral. Vertragsdetails, Finanzierung, Laufzeit und strategische Ziele müssen gesamtheitlich beurteilt werden.

Diese Episode liefert eine sachliche Einordnung jenseits von Schwarz-Weiss-Positionen – und zeigt, warum Baurecht weniger eine ideologische Frage ist als eine individuelle wirtschaftliche Abwägung.

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